Geist und Gegenwart

Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.

13. März 2026

Hai oder Elektrischer Stuhl?

Eine Anekdote von Donald Trump

(Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang >>)

Lieber auf den Elektrischen Stuhl (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)
 

Ich war bei einer Bootsfirma in South Carolina. Ich fragte: "Wie läuft’s?" Der Inhaber meinte: "Es gibt ein Problem, Sir. Die wollen, dass wir nur noch Elektroboote bauen." 

2. März 2026

KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber

Eine Anekdote von Donald Trump

(Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang >>

Als ich das erste Mal von Künstlicher Intelligenz hörte... wisst ihr, das ist nicht so mein Ding. Mein Onkel war zwar am MIT, einer der großen Professoren, 51 Jahre lang, oder so. Er war der dienstälteste Professor in der Geschichte des MIT. Drei Abschlüsse in Nuklear, Chemie und Mathematik. Ein wirklich kluger Mann.

Kaczynski war einer seiner Studenten. Kennen Sie Kaczynski? [Auch bekannt als Unabomber, weil er Paketbomben an Universitäten und Fluggesellschaften (universities ’nairlines) schickte und damit 3 Menschen tötete und viele weitere verletzte.] Zwischen einem Wahnsinnigen und einem Genie gibt es kaum einen Unterschied. Aber Kaczynski... ich fragte meinen Onkel: "Was für ein Student war er, Onkel John?“ Dr. John Trump.

Er antwortete: "Was für ein Student? Ein wirklich guter. Er hat ständig alle um ihn herum korrigiert, jeden." Aber das lief dann nicht so gut für ihn. Nicht so gut. Aber so ist das Leben. Ich sage euch eins: Wir haben die klügsten Köpfe, wir haben die größte Macht, und wir werden noch mehr Elektrizität für Künstliche Intelligenz haben. 

 Donald J. Trump, 15. Juli 2025, Rede beim ersten Pennsylvania Energy and Innovation Summit 

Faktencheck: Die Identität des Unabombers war zu Lebzeiten von John G. Trump unbekannt. Dr. Trump starb 1985. Ted Kaczynski wurde erst 1996 – elf Jahre nach Dr. Trumps Tod – als Unabomber identifiziert und verhaftet. Folglich konnte Dr. Trump nicht wissen, dass Kaczynski der Unabomber war, um ihn mit Donald Trump unter diesem Namen zu erwähnen. Ebenso wenig hätte Donald Trump einen Grund gehabt, seinen Onkel nach einem anonymen, noch nicht gefassten Flüchtigen zu fragen.

Das passt dazu:

  • Creedmoor: Bösartiger Stahl
  • Hai oder Elektrischer Stuhl? 
  • Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft 
  •  

    19. Februar 2026

    Fiesta oder Nostalgie

    Wenn der Kapitalismus gegen Nationalromantik gewinnt

    Die vieldiskutierte Half Time Show des Super Bowls 2026 hat eine Sache auf den Punkt gebracht, die latent auch vorher zu beobachten war: Menschen vor die freie Wahl gestellt, mögen Spaß, sie wollen es bunt, sie wollen lieben, singen, tanzen, lachen. 

    Fiesta / Nostalgie: Together we are America (KI-generierte Illustration, erstellt 2026) 

    Dann gibt es Antagonisten, die so viel gute Laune gar nicht mit ansehen können. In dem Beispiel der Half Time Show war die eine Seite unter dem Motto "Together we are America" repräsentiert durch den Spanisch singenen Superstar Bad Bunny und seine Abermillionen Fans in den USA und auf der ganzen Welt. Die andere Seite war repräsentiert durch den "Trumpismus". Seine Anhänger auf Fox News und anderen rechten Kanälen hatten schon früh genörgelt, was aus dem uramerikanischen Event geworden sei, dass man dort nun Spanisch sänge, das verstehe doch niemand und überhaupt alles dekadent und unamerikanisch. 

    5. Februar 2026

    Simone Weils radikales Zeitmodell

    Warum das Leben in Phasen biologisch sinnvoll ist

    Ein Text von Sara Theimann

    Simone Weil (Fotograf unbekannt, Public Domain)


    Es war 1934, als die Philosophin Simone Weil eine Entscheidung traf, die ihre Zeitgenossen verstörte. Die brillante Intellektuelle, die an der Elite-Universität lehrte, verließ den Hörsaal – nicht für ein paar Wochen, sondern für ein ganzes Jahr. Sie nahm eine Stelle in einer Fabrik an. Nicht als Forscherin, nicht als Beobachterin. Sie arbeitete an der Stanze, am Fließband, mit blutenden Händen und erschöpftem Körper. Es sollte nicht das letzte Mal in ihrem Leben sein, dass sie als "Ungelernte" in der (Elekto-, Metall- und Auto-) Industrie arbeitete. "Warum tut sie das?" fragten ihre Kollegen. 

    28. Januar 2026

    Arbeit und Lifestyle im liberalen Kapitalismus

    Arbeit und Zeit als Ausdruck persönlicher Freiheit

    Wieso sollte ich irgend jemandem anders als meiner Mama gegenüber rechtfertigen müssen, wie viel ich arbeiten will?

    Was geht euch mein Lifestyle an? 

    Der peinliche Reflex in der CDU und bei anderen Wirtschaftsliberalen, die Arbeitnehmerrechte zurück zu drehen, sobald die "Nachfrage" nach Arbeitnehmern abnimmt, war vorhersehbar. Durchgehen lassen kann man es ihnen aber dennoch nicht. Wer gerade noch bei seinen Arbeitnehmern um Verständnis für Kurzarbeit oder Mehrarbeit bat (und beides zeitgleich während der Pandemie), hat nun offenbar kein Verständnis für die jeweils ganz individuellen Herausforderungen jener Arbeitnehmer? 

    OK, irgendwie verständlich, wenn auch hässlich, in einem Kapitalismus, der je nach sich verändernden Umständen kleine Margen jeweils flexibel managen muss. Mann vergisst da schnell, dass man es nicht nur mit "Ressourcen" zu tun hat, sondern mit Menschen. Der liberal und individualistisch sozialisierte Arbeitnehmer fragt sich natürlich: 

    Darf ich in meinem einzigen Leben auf diesem Planeten nicht selbst entscheiden, wie viel ich arbeiten möchte oder kann?

    Kann es wirklich sein, dass ein Arbeitgeber, mit dem man mal vereinbart hat, 40 Stunden zu arbeiten, dann in ganz private Lebensplanung reinfunkt, wenn der Arbeitnehmer irgendwann weniger arbeiten möchte? Und der Arbeitgeber oder der Staat können entscheiden, was triftige Gründe für sich ändernde Entscheidungen über individuelle Lebenszeit sind?

    Also wenn ich Angehörige pflegen muss, ist das ok, aber wenn ich z.B. 12 Stunden in einer gemeinnützigen Tätigkeit arbeiten möchte oder neben der Arbeit Kunst produziere, dann sind das keine ausreichenden Gründe? Wer sagt denn das? 

    Wer sagt denn das?

    Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), also der Wirtschaftsflügel der CDU stellt die Forderung nach Abschaffung des derzeitigen gesetzlich garantierten Anspruches auf Teilzeit infrage. All dem voran steht die Bundevorsitzende Gitta Connemann.

    Meine Frage wäre: Würde Connemann es sich gefallen lassen, wenn sich irgend jemand in ihr privates Zeitmanagement einmischte und ihr vorschriebe, wie viel sie zu arbeiten habe? Oder was ist mit anderen "Lifestyle-"Entscheidungen, die Einfluss auf die Gesellschaft haben? Wer fliegt Kurzstrecke? Wer fährt mit dem Auto zum Einkaufen? Wer kauft einen krummgezüchteten Hund mit zu kurzer Schnauze? All das sind Lifestyle-Entscheidungen, die Menschen treffen, ohne dass sie dafür gute Gründe haben oder sich gar rechtfertigen müssen.

    Connemann, die ansonsten überall "staatliche Regulierungswut" sieht, die die Eigenverangtwortung des Bürgers liebt, auch sonst Vertrauen in den Bürger fordert und gegen staatliche Vorgaben eintritt, fordert bei der "Lifestyle-Teilzeit" eine Begründungspflicht für eine private Lebensentscheidung und einen Staat, der definiert, was gute Gründe sind? Zu bequem!

    Fluchtpunkt Oligarchie 

    Mir ist schon klar, dass der Sweet Spot für eine Arbeitgebervertreterin tatsächlich ein kompletter Liberalismus für Unternehmen und eine komplette Unterwerfung von Arbeitnehmern wäre. Das eben ist der Bruch in der gesamten liberalen Gesellschaftsphilosophie, den wir gerade sehen können und er geht soweit, dass sich viele Ultra-Reiche oder Arbeitgeber inzwischen nicht mehr an die Demokratie als Staatsform gebunden fühlen. Sie unterstützen nicht nur in den USA, sondern auch bei uns ohne Scham die Kräfte, die die Demokratie abschaffen möchten.

    Sie möchten eine Oligarchie, in der sie selbst die Gesetze machen und über Arbeitnehmer (soweit sie denn noch gebraucht werden) verfügen können, beziehungsweise sie möchten so viel wirtschaftlichen und sozialen Druck auf diese ausüben, dass sie "gefügig" werden.

    Ich will nicht sagen, dass Connemann und Friends hier gleich zu Oligarchen werden. Aber es ist konsequent gedacht genau ihr Fluchtpunkt: Oligarchie, ein System, in dem eine kleine reiche Wirtschaftselite über die Rechte und Freiheiten der Bürger bestimmt. 

    Vor allem will ich hier den Widerspruch zwischen den Ansprüchen der CDU, FDP und sonstigen Wirtschaftsliberalen an die Freiheit des Individuums und den Rückbau von staatlichen Eingriffen in individuelle und private Entscheidungen auf der einen Seite und die Entmündigung des individuellen Arbeitnehmers auf der anderen Seite aufzeigen.

    Was denn nun, liebe CDU? Wollt ihr die Liberalen für freie Bürger und einen Staat sein, der sich raushält oder wollt ihr den Staat, der in die privaten Entscheidungen seiner Bürger eingreift?


    Das passt dazu:

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